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SPD Bundesparteitag in Dresden wählt Sigmar Gabriel zum neuen Bundesvorsitzenden

Bundespolitik

Längst hatte Sigmar Gabriel den Parteitag gedreht. Längst hatte er die Mühsal, die Trauer und die Zweifel der Delegierten – jedenfalls für diese abendlichen Stunden – weggewischt. Die Leute wollten wieder jubeln, sich wieder freuen. „Mehr Basisdemokratie bedeutet auch mehr Arbeit“, rief er ihnen zu. Und wenn es schon welche gäbe, die die neue Führung nicht wählen wollten, dann sollten sie es an ihm auslassen und nicht nach einem Links-rechts-Schema vorgehen. Das galt Andrea Nahles, und in einem fast unbemerkten Zeitpunkt seiner Rede hatte die ihm ein Taschentuch gebracht.

Nahezu zwei Stunden hatte Gabriel geredet. Sodann rief er ein chinesisches Sprichwort in Erinnerung: „Wer nicht lächeln kann, soll keinen Laden aufmachen.“ Im Beifall ging das „Lasst uns wieder neue Läden aufmachen in Deutschland“ unter. Die Leute standen auf. Umarmungen auf der Bühne, mit Frau Nahles und Steinbrück und Müntefering. Schulterklopfen. Gabriel holte sich noch den Segen der Altvorderen ab – Hans-Jochen Vogel und Erhard Eppler. Der Jubel nahm das Wahlergebnis vorweg.

Vor allem Kampfeswillen wollte Gabriel vermitteln. Alle möglichen Ursachen der Niederlagen und des Niederganges hatte er aufgezählt. Den Begriff der „Deutungshoheit“ stellte er in den Vordergrund. Die Partei dürfe sich nicht auf angebliche Analysen von Politikwissenschaftler einlassen und deren Definition von „Mitte“, die statisch sei. Gabriel erinnerte an Willy Brandt. „Die Mitte war links, weil wir sie verändert haben. Die SPD hatte sie erobert. Und das müssen wir wieder machen.“ Die Anpassungen an die vermeintliche Mitte aber seien die eigentliche Ursache für die Wahlverluste gewesen. Union und FDP aber seien „Rechte“, und den Zweiflern rief er noch ein „So müssen wir sie nennen“ zu.

(Quelle: http://www.faz.net - Günter Bannas)